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Samstag, 27. März 2021



Bundestagswahl: Freie Wähler nominieren Andrea Graham

Die Freie-Wähler-Kreisvereinigungen Schweinfurt-Stadt, Schweinfurt-Land und Kitzingen haben unter Corona-Bedingungen in der Stadthalle in Schweinfurt Andrea Graham einstimmig zur Direktkandidatin für die Bundestagswahl nominiert. Die 43-Jährige ist neben Jessica Klug aus Main-Spessart/Miltenberg damit die zweite weibliche Direktkandidatin der Freien Wähler

SCHWEINFURT • Die Freie-Wähler-Kreisvereinigungen Schweinfurt-Stadt, Schweinfurt-Land und Kitzingen haben unter Corona-Bedingungen in der Stadthalle in Schweinfurt Andrea Graham einstimmig zur Direktkandidatin für die Bundestagswahl nominiert. Die 43-Jährige ist neben Jessica Klug aus Main-Spessart/Miltenberg damit die zweite weibliche Direktkandidatin der Freien Wähler.

Graham stehe nicht nur für die Eckpunkte der Freien Wähler wie zielgerichtete Politik, Bürgernähe, keine Doppelbesteuerung bei den Renten und mehr Bürgermitbestimmung, sondern wolle sich auch bei neuen Themen einbringen, heißt es in der Presseinformation der Freien Wähler. Genannt wird hier zum Beispiel die Wasserstoff-Initiative oder die Rückführung der Arzneimittelproduktion nach Deutschland.

Im Hinblick auf die jüngsten politischen Skandale und Affären fordert Graham eine "geistig-moralische Erneuerung". Weiter heißt es: "Die chaotische, völlig unüberlegte und fast schon panische Einführung eines neuen Feiertages am Gründonnerstag zeigt zudem auf, dass viele Akteure in Berlin ihren Zenit schon lange überschritten haben und zum Wohle aller unserer Bürgerinnen und Bürger in diesem Land ihren Platz räumen sollten."

Andrea Graham ist gelernte Friseurin und als selbständige Kosmetikberaterin tätig. Bei der Stadtratswahl in Schweinfurt 2020 war sie als Newcomerin angetreten. Diesen Schwung will sie mit in die Bundestagswahl nehmen.

© Irene Spiegel
Quelle: Volkszeitung Schweinfurt

 

Sonntag, 21. März 2021



Stadtrat Labus drängt weiter auf Maskenpflicht in der Innenstadt

"Ein Bild der Hilflosigkeit" bieten nach Ansicht von Stefan Labus OB Remelé und seine Verwaltung. In einem offenen Brief fordert er sie auf, endlich zu handeln

SCHWEINFURT • Stefan Labus ist Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Schweinfurter Stadtrat - und richtig sauer. Vor allem, wenn er auf die Inzidenz der Stadt am Samstagmorgen blickt. 172,2 am Samstag "und es ist kein Ende in Sicht", befürchtet Freie Wähler-Stadtrat Stefan Labus, dessen Antrag auf eine Maskenpflicht in der gesamten Innenstadt im Haupt- und Finanzausschuss vergangenen Dienstag abgelehnt wurde und den der Stadtrat, da ist er sich sicher, am kommenden Dienstag mutmaßlich ebenso abschmettern wird.

Dass die Stadt nicht schon lange weitere, leicht umsetzbare Maßnahmen ergriffen hat zur Verhinderung der neuerlichen Ausbreitung der Pandemie, kann er nicht verstehen. "Die Videobotschaft von Oberbürgermeister Sebastian Remele vom 19. März zur Lage in Schweinfurt zeigt wieder einmal mehr die Hilfslosigkeit von OB und Ordnungsreferent Jan von Lackum", schreibt Labus in einer Pressemitteilung. In der Videobotschaft auf Facebook hatte Remelé die nun geltenden, schärferen Regelungen in der Stadt erklärt und dringend gebeten, "jetzt nicht nachlässig zu werden" und sich an die Kontaktbeschränkungen zu halten.

"Beide sind sich ihrer Verantwortung gegenüber der Bevölkerung überhaupt nicht bewusst, erklären aber, dass die Entscheidung über das Vorgehen und die Maßnahmen allein der Verwaltung obliegen. Der OB und die Stadtverwaltung haben doch eine Verantwortung und dürfen nicht jetzt in der Pandemie die Köpfe in den Sand stecken, nach dem Motto: die Regierung wird es schon richten", sagt Labus.

Die Aufgabe des Stadtrates sei es nach Geschäftsordnung der Stadt Schweinfurt, "regelmäßig alle grundsätzlichen und weittragenden politischen, wirtschaftlichen, finanziellen, sozialen und kulturellen Angelegenheiten der Stadt zu beschließen". Dazu gehöre es aber auch, im Bedrohungsfall wie zur Zeit der jetzigen Pandemie, Vorschläge und Anträge des Stadtrates zu berücksichtigen und umzusetzen.

Was Tübingen vormacht

Man solle über den Tellerrand schauen, wie es zum Beispiel in Tübingen Oberbürgermeister Boris Palmer erfolgreich praktiziere. "Der hat Außengastronomie, Kultur und Kinos bereits am Dienstag geöffnet und lässt Besucher und Gäste nur nach einem negativen Test dort hin", sagt Labus. Der Modellversuch mit offensivem Testkonzept werde von der Universität Tübingen wissenschaftlich begleitet. Samstag lag der Inzidenzwert in Tübingen laut Labus bei 62,1.

Für Stefan Labus ist klar: "Die einzigen Maßnahmen sind Abstandhalten, Maskenpflicht und Impfungen. Corona ist keine Grippenwelle, die schnell wieder abklingt!"

© Katja Beringer
Quelle: Volkszeitung Schweinfurt

 

Mittwoch, 17. März 2021



Inzidenz über 100: Vorerst keine Maskenpflicht in Schweinfurter Innenstadt

In Stadt und Landkreis Schweinfurt steigen die Corona-Zahlen wieder deutlich. Und auch der Ton wird rauer. Wie es um Maskenpflicht, Testbereitschaft und Impfquote steht

SCHWEINFURT • Eine "Sofortige Wiedereinführung der Maskenpflicht in der Schweinfurter Innenstadt" hat Stadtrat Stefan Labus (Freie Wähler) in einem Eilantrag gefordert und damit eine hitzige Debatte im Schweinfurter Rathaus entfacht. Wer darf eigentlich entscheiden, wann und warum sich solche Regelungen ändern können? Fest steht jedenfalls: Vorerst wird es keine Maskenpflicht für die gesamte Innenstadt geben. Davon ausgenommen ist aktuell nur die Keßlergasse. Doch der Reihe nach.

Laut Robert Koch-Institut (RKI) ist der Inzidenzwert in der Stadt Schweinfurt am Dienstag auf 104,8 geklettert. Noch am Vortag lag er bei 88. Damit drohen bei anhaltendem Überschreiten des Schwellenwertes 100 weitere Einschränkungen am Ende der Woche, wie etwa eine Verschärfung der Kontaktbeschränkung. Der Landkreis Schweinfurt bleibt am zweiten Tag in Folge über der 50er-Marke und hatte am Dienstag laut RKI einen Inzidenzwert von 60,6. Bleibt der Wert auch noch am Mittwoch über 50, so wird es dort ab Freitag Einschränkungen im Einzelhandel geben.

Stadtrat kritisiert Verhalten der Verwaltung scharf

Passend dazu behandelte der Schweinfurter Haupt- und Finanzausschuss am Dienstag den Anfang März eingegangenen Antrag vom FW-Fraktionsvorsitzenden Stefan Labus, der eine sofortige Maskenpflicht in der Schweinfurter Innenstadt forderte. Labus begründete dies mit täglich rasant ansteigenden Inzidenzwerten, mit fehlenden Medikamenten und der Möglichkeit, mit Hilfe von Masken die Virusausbreitung verhindern zu können. Dass man bereits vor einem Jahr zunächst nur in der Keßlergasse eine Maskenpflicht verhängte, sei "müde" gewesen und lasse auf mangelndes Gefahrenbewusstsein der Stadtverwaltung schließen. Auch das kürzliche Aufheben der Maskenpflicht in Schweinfurter Straßen sei falsch gewesen. "Leider gibt es in der Verwaltung niemanden, der eine schnelle und mutige Entscheidung treffen kann", so Labus.

Oberbürgermeister Sebastian Remelé wies diese Kritik entschieden zurück. Man habe die Maskenpflicht aufgehoben, als Schweinfurt die niedrigste Inzidenz bundesweit hatte. "Das war das Gebot der Stunde, und wir werden die Maßnahmen immer wieder mit den aktuellen Inzidenzen abgleichen", so Remelé. Dies sei notwendig, da Einschränkungen "teils heftige Eingriffe in die Grundrechte der Menschen" bedeuteten. Und auch in Zukunft müsse man von Fall zu Fall neu entscheiden und abwägen.

Infektionen durch "Grüppchenbildung"

Ordnungsreferent Jan von Lackum, der den Tonfall von Labus als "völlig unangemessen" bezeichnete, betonte, dass die Festlegung der Bereiche, in denen eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen ist, mittels Allgemeinverfügung erfolge. Es handele sich dabei – anders als bei Satzungen oder Verordnungen – um einen Verwaltungsakt. Der Stadtrat sei für diese Entscheidungen gar nicht zuständig. Laut OB Remelé müsste diese Entscheidung der laufenden Verwaltung obliegen, da ein Stadtratsgremium nicht täglich neu entscheiden oder abstimmen könne. Nur alle vier Wochen neue Regelungen zu beschließen wäre fahrlässig und könne der sich ständig ändernden Lage nicht gerecht werden.

Unabhängig von Zuständigkeitsdebatten ist für von Lackum eine Maskenpflicht für die gesamte Innenstadt derzeit nicht die Lösung. Gleichzeitig schloss er diese in Zukunft aber nicht aus. "Wir dürfen nicht auf einmal unseren Köcher leer schießen und brauchen noch weitere Eskalationsstufen, sollten die Werte noch weiter steigen." Wie auch Stadträtin Christiane Michal-Zaiser (proschweinfurt) anmerkte, sind für den Ordnungsreferenten nicht die Ausflüge ohne Maske durch die Innenstadt ursächlich für die Virusausbreitung. "In der Tat haben wir ein Problem mit Grüppchenbildungen", so von Lackum. Vermehrt seien Menschenansammlungen zu beobachten, wobei weniger die Maskenpflicht, vielmehr die Kontaktbeschränkung missachtet würde.

Nach langen Diskussionen im Haupt- und Finanzausschuss änderte Stefan Labus seinen Antrag und empfahl der Verwaltung, die Maskenpflicht ab einem Inzidenzwert von 100 generell für die Innenstadt zu verhängen. Dieser Grundsatz wurde von der Mehrheit des Gremiums abgelehnt.

Astrazeneca-Impfstopp kommt zur Unzeit

Anders als bei der Maskenpflicht war man sich im Ausschuss einig darüber, dass letztlich nur flächendeckendes Testen und Impfen für Besserung sorgen werde. Gerade auch, weil in Schweinfurt derzeit fast alle Corona-Infektionen auf die sich schnell ausbreitende britische Virusvariante zurückzuführen seien, so von Lackum. Der vorübergehende Impfstopp mit Astrazeneca komme deshalb zur Unzeit. Über tausend Impftermine mussten bereits für diese Woche abgesagt werden. Im Raum Schweinfurt machten die Dosen von Astrazeneca bislang ein Drittel der Impfungen aus. Was mit ausstehenden Zweitimpfungen des besagtem Vakzins passiert, sei derzeit unklar, erklärte der Ordnungsreferent.

"Manche können sich nicht mehr an alle Kontakte erinnern, manche verschweigen sie aber bewusst, um sie vor möglichen Konsequenzen wie Quarantäne zu bewahren."
Ordnungsreferent Jan von Lackum

Laut Oberbürgermeister Remelé seien bislang insgesamt 14 605 Menschen im Raum Schweinfurt geimpft worden, was einer Quote von 8,6 Prozent der Erstimpfungen entspricht. Die Zweitimpfung hätten bereits über 6700 Menschen erhalten (rund vier Prozent der Bevölkerung). Optimistisch stimmte den Oberbürgermeister vor allem die Personengruppe der über 80-Jährigen, von denen schon über 43 Prozent eine Corona-Impfung erhalten haben (laut Stadt etwa 6100 Personen). Ebenso seien die Einrichtungen sowie Ärzte weitestgehend abgedeckt worden. Und auch die Tatsache, dass derzeit nur vier an Corona erkrankte Menschen in den Schweinfurter Krankenhäusern behandelt werden müssen, freut Remelé.

Kontakte aus Angst vor Quarantäne verschwiegen

Sorgen bereitet dem Oberbürgermeister eher das Thema "Testen". Denn nicht nur die Bereitschaft, sich testen zu lassen, sinke in der Bevölkerung. Auch sei die Kontaktnachvervolgung nicht mehr möglich. "Wir müssen offen sagen, dass wir nicht wissen, wie es zu dem starken Anstieg gekommen ist", so Remelé. Laut Ordnungsreferent von Lackum liege dies jedoch nicht an Personalmangel des Gesundheitsamtes. Vielmehr offenbarten viele positiv Getesteten ihre Infektionsketten einfach nicht mehr. "Manche können sich nicht mehr an alle Kontakte erinnern, manche verschweigen sie aber bewusst, um sie vor möglichen Konsequenzen wie Quarantäne zu bewahren", so von Lackum.

© Gerd Landgraf und Nicolas Bettinger
Quelle: Volkszeitung Schweinfurt

 

Mittwoch, 10. März 2021



Ideen für die Autoindustrie: Innovationszentrum in Schweinfurt

Die Transformation der Autoindustrie zur Elektromobilität hat großen Einfluss auf die Schweinfurter Autozulieferer. Warum im Stadtrat mehr Initiative der Stadt gefordert wird

SCHWEINFURT • Schweinfurt hat mit 55 000 mehr Arbeitsplätze als Einwohner, gut die Hälfte davon alleine in den großen Industriebetrieben. Gerade die Automobilzulieferer merkten nicht nur die Coronakrise, sondern auch den Wandel in der Autoindustrie hin zur Elektromobilität. Auch das im übrigen ein Grund, warum die Gewerbesteuer bereits 2019 stärker zurück ging als gedacht.

Was kann die Stadt Schweinfurt tun, um die Industrie zu unterstützen? Eine Frage, die in den letzten Jahren oft gestellt wurde und auch für reichlich Diskussionen gesorgt hat. Oberbürgermeister Sebastian Remelé (CSU) versichert, er sei in regelmäßigen Gesprächen mit den Industriebetrieben.

Darüber hinaus könne die Stadt aber nur den Rahmen setzen, sich als lebenswert präsentieren – durch eine quirlige Innenstadt, genügend Wohnraum und Projekte wie zum Beispiel die Landesgartenschau 2026. Wirtschaftsförderin Pia Jost arbeitet intensiv daran, gemeinsam mit der Fachhochschule und dem Fraunhofer Institut in der Ledward Kaserne einen Forschungsstandort zu schaffen, der seinesgleichen sucht.

Doch den Kritikern ist das nicht genug, sie fordern eine deutlich aktivere Rolle der Stadt bei der Begleitung der Transformation, da "das Gesicht der Industrielandschaft in Schweinfurt bereits in wenigen Jahren ein gänzlich anderes sein kann", wie Ralf Hofmann, Fraktionsvorsitzender der SPD, schreibt.

Fraktionsübergreifender Antrag im Stadtrat, allerdings ohne CSU und AfD

Er hat nun gemeinsam mit Adi Schön (Freie Wähler), Holger Laschka (Bündnis 90/Die Grünen), Frank Firsching (Linke), Christiane Michal-Zaiser (proschweinfurt), Georg Wiederer (FDP) und Ulrike Schneider (Zukunft./ödp) einen fraktionsübergreifenden Antrag eingereicht, mit dem Titel "Innovationsstadt Schweinfurt". Die AfD wurde bewusst nicht eingebunden, die CSU entschied sich, trotz der Koalition mit den Grünen den Antrag nicht zu unterschreiben,Hofmann erklärt, in "Werkshallen, in denen vor zehn Jahren 100 Menschen pro Schicht gearbeitet haben, sind es heute noch 25". Diese Entwicklung werde durch die fortschreitende Automatisierung weitergehen. Dank "geschickter Betriebsräte" sei die Zahl der Arbeitsplätze nicht gesunken, weil die Firmen vermehrt auf Innovation und Forschung setzen. Auch die positive Rolle der Fachhochschule dürfe man nicht unterschätzen.

"In der Krise müssen die Weichen richtig gestellt werden."
SPD-Fraktionsvorsitzender Ralf Hofmann zum Antrag über ein Innovations- und Gründungszentrum

Gleichwohl sei es wichtig, dass "die Stadt Schweinfurt als Handlungsbeteiligte aktiv wird." Ralf Hofmann verweist auf Bamberg oder Augsburg, die ähnliche Herausforderungen zu meistern haben sowie das Konzept "Innovationsstadt Schweinfurt" durch die örtliche Wirtschaftsförderung. "In der Krise müssen die Weichen richtig gestellt werden. Die Unterzeichnenden sehen in dieser Konzeption einen überzeugenden Beitrag aus dem Strukturwandel Zukunft stattfinden zu lassen", heißt es in dem Schreiben.

Gefordert wird nun, dass die Stadt mit allen Beteiligten über ein Innovations- und Gründungszentrum mit direkter Nähe zur Fachhochschule und der geplanten I-Factory in der Ledward-Kaserne spricht und sich um die Förderung der Ministerien kümmert.

© Oliver Schikora
Quelle: Volkszeitung Schweinfurt

 

Dienstag, 09. März 2021



Freie Wähler: Open Air-Konzerte für Schweinfurt

Das Theater der Stadt bleibt wegen der geplanten Sanierung bis 2024 geschlossen. Ein Ersatzprogramm ist geplant. Warum die Freien Wähler Open-Air-Konzerte gut finden

SCHWEINFURT • Die Kulturschaffenden in und um Schweinfurt sind nach einem Jahr Corona-Pandemie gebeutelt. Sie dürfen wie alle anderen aus der Branche im Moment nicht auftreten, aber es gibt einen kleinen Lichtblick: Die Stadt erarbeitet wegen der Schließung des Theaters aus Brandschutzgründen und im Vorfeld der geplanten Sanierung bis 2024 ein Ersatzprogramm.

Als "Kultursommer 2021" hat es Oberbürgermeister Sebastian Remelé tituliert, erste Ideen dürfte es in der Kulturausschusssitzung am 17. März geben. Wenn der Kultursommer dieses Jahr gut läuft, soll er in den nächsten Jahren ausgebaut werden, natürlich auch im Herbst und Winter, Veranstaltungsräume gibt es genug. Für dieses Programm braucht die Stadt natürlich die Hilfe der freien Kulturträger als Veranstalter.

Die Idee, Open-Air-Veranstaltungen während der Corona-Pandemie anzubieten, hat nun der Vorsitzende der Freien Wähler Schweinfurt Stadt, Harald Schmitt, in einem als "herzliche und dringende Bitte" formulierten Appell an den OB aufgebracht. Schmitt verweist auf Ministerpräsident Markus Söder (CSU), der Kommunen auffordert, derartige Kultur- und Eventkonzepte zu erarbeiten.

Eine Perspektive für die Kultur schaffen

"Nach einem Jahr Stillstand könnte hier für die arg gebeutelte Veranstaltungsbranche und für viele Kulturschaffende vor Ort (insbesondere wenn sie bisher hauptberuflich tätig waren) eine Perspektive geschaffen werden – und auch die Gastronomie würde profitieren", so Schmitt. Man rufe dazu auf, "mit Kreativität und Phantasie unter Einhaltung der geltenden Hygiene-Regeln Auftrittsmöglichkeiten zu schaffen bzw. auch private Initiativen – wie letztes Jahr z.B. im Korkenzieher – zu unterstützen."

Die Freien Wähler können sich als Ersatz für das ausgefallene "Winterdorf" unter Einbeziehung der dort vorhandenen Außengastronomie ein "Sommerdorf" auf dem Marktplatz vorstellen. Auch andere Plätze wie am Zeughaus, der Schillerplatz oder am Stattbahnhof seien prädestiniert.

Hoffnung auf einen Sommer, der nicht mehr so trostlos ist

Die Stadt habe bisher viel Geld für die Hochkultur ausgeben, so Schmitt. Mit deutlich weniger finanziellem Aufwand ließe sich der darbenden freien Kulturszene helfen. "Die Freien Wähler hoffen deshalb, dass der Sommer 2021 in der Stadt nicht mehr so trostlos wird, wie der Sommer 2020 leider war."

Neben dem Open-Air-Antrag gibt es auch einen weiteren Antrag der Freien Wähler, allerdings nicht vom Kreisverband, sondern von der Stadtrats-Fraktion. Fraktionssprecher Stefan Labus fordert darin die Wiedereinführung der Maskenpflicht im gesamten Stadtgebiet aufgrund der wieder steigenden Infektionszahlen mit dem Coronavirus in der Stadt. Wichtig sei es auch, sich impfen zu lassen, betont Labus darin.

© Oliver Schikora
Quelle: Volkszeitung Schweinfurt

 

Montag, 08. März 2021



Corona: Öffnungen müssen warten - Labus fordert Maskenpflicht

Am Montag sollen die Lockerungen im Lockdown beginnen. Am Tag zuvor meldet das RKI für die Stadt einen Inzidenzwert von 58. Kommt bald wieder die Maskenpflicht?

SCHWEINFURT • Mitte Februar glänzte die Stadt Schweinfurt noch mit dem niedrigsten Inzidenzwert in ganz Deutschland: 3,7. Am Sonntag meldete das Robert-Koch-Institut einen Wert von 58. Damit reißt die Stadt die Grenze von 50, die über die Art der Öffnung der Geschäfte bestimmt.

Der Landkreis hat eine Inzidenz von 42,4. Die 7-Tage-Inzidenz ist die Zahl der innerhalb der letzten sieben Tage als infiziert gemeldeten Personen, hochgerechnet auf 100 000 Einwohner. Für die Stadt wurden acht Neuinfizierte gegenüber dem Vortrag gemeldet, für den Kreis waren es sechs.

Um eine Inzidenz von 50 zu erreichen, benötigt die Stadt 26 Neuinfizierte innerhalb von sieben Tagen. Derzeit hat sie 31. Der Kreis kann sich aufgrund der größeren Einwohnerzahl 58 Neuinfizierte leisten, bevor er die Inzidenz 50 erreicht. Derzeit gibt es dort 49 Fälle. Da die Zahlen, die vor sieben Tagen gemeldet wurden, und die am Montag aus der Berechnung herausfallen, in der Stadt sehr niedrig waren, wird die Stadt wohl auch am Montag über der 50er-Schwelle bleiben, selbst wenn keine Neuinfizierten am Montag dazukommen.

Wer darf öffnen?

Nach Blumenläden, Gartencentern, Baumärkten, Friseuren, Nagelstudios oder auch Fahrschulen dürfen am Montag auch Buchläden unabhängig von der regionalen Inzidenz öffnen.

Die Stadt hat am Sonntag reagiert und mitgeteilt, dass für Museen, Galerien und Zoos Terminbuchungen nötig sind. Die Öffnung des Wildparks in Schweinfurt ist nicht mehr möglich.

Die Öffnung des Einzelhandels wird zu einem Terminshopping mit Buchung und nur einem Kunden pro 40 Quadratmeter Fläche. Für den Bereich Sport gilt nun, dass nur kontaktfreier Sport unter Beachtung der Kontaktbeschränkungen (maximal zwei Haushalte, höchstens fünf Personen; Kinder unter 14 nicht mit eingerechnet) sowie zusätzlich unter freiem Himmel in Gruppen bis zu 20 Kindern unter 14 Jahren erlaubt ist.

Für Kitas bedeutet die Überschreitung des Inzidenzwerts von 50, dass eine Öffnung nur erlaubt ist, sofern eine Betreuung in festen Gruppen erfolgt. Die Maskenregelungen für Schulen und Kitas bleiben in Kraft.

Eine Erleichterung gibt es dennoch, was die privaten Kontakte betrifft. Ab Montag, 8. März dürfen wieder zwei Haushalte zusammenkommen. Diese Begegnung ist auf fünf Personen beschränkt, Kinder unter 14 zählen hier nicht dazu. Erst wenn der Inzidenzwert über 100 steigt, gilt erneut, dass sich ein Haushalt mit nur einer, nicht dem eigenen Haushalt angehörigen Person, treffen darf.

Stefan Labus will Maskenpflicht wieder einführen

Stadtrat Stefan Labus hat die steigenden Inzidenzwerte zum Anlass genommen und am Samstag in einem Eilantrag an die Stadt die Wiedereinführung der Maskenpflicht in der Innenstadt gefordert. Am Sonntag distanzierte sich der Vorsitzende der Freien Wähler Schweinfurt-Stadt, Harald Schmitt, "ausdrücklich und vehement vom Eilantrag des Fraktionsvorsitzenden Stefan Labus, die Maskenpflicht in der Innenstadt wieder einzuführen. Der Antrag wurde innerhalb des Vorstands der Freien Wähler Schweinfurt-Stadt vorher nicht diskutiert. Ob dies innerhalb der Fraktion erfolgt ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Es ist allgemein bekannt, dass die Ansteckungsgefahr im Freien bei ausreichendem Abstand gegen Null geht", schreibt er.

UPDATE: Am Montag meldete das RKI eine Inzidenz für die Stadt von 59,9 und für das Land von 41,6. Gegenüber dem Vortag wurde in der Stadt ein Neuinfizierter gemeldet, im Land waren es zwei.

© Horst Breunig
Quelle: Volkszeitung Schweinfurt

 

Mittwoch, 03. März 2021



Schweinfurts Stadttauben: Warum nur die Taubenhilfe füttern darf

Die Debatte um die Frage, ob die Stadttauben während der Corona-Pandemie gefüttert werden sollen, ist verzwickt. Warum das Fütterungsverbot grundsätzlich weiter gilt

SCHWEINFURT • Die Fronten in der Diskussion über die Frage, ob und wenn ja wie man den Stadttauben in Schweinfurt helfen kann, sind verhärtet. Das zeigt sich nicht nur an den Diskussionsbeiträgen in den Sozialen Medien oder Leserbriefen an die Redaktion zum Thema, sondern auch im wirklichen Leben.

Am Wochenende wurden Mitglieder der Stadttaubenhilfe "White Angels" beim Füttern auf dem Martin-Luther-Platz von Passanten nach eigener Aussage beschimpft dafür, dass sie Tauben fütterten. Außerdem habe es einen Vorfall mit einem Auto gegeben, das in Richtung Tauben gefahren sein soll und dabei auch andere Passanten gefährdet haben soll. Laut Stadttaubenhilfe wurden die Vorfälle bei der Polizei angezeigt.

Zu Grunde liegt offenbar ein Missverständnis, das die Vorfälle erklärt, aber nicht rechtfertigt. In der Überschrift der Samstags-Ausgabe dieser Redaktion stand, dass das Füttern der Tauben in der Stadt verboten bleibt. Umweltreferent Jan von Lackum bekräftigte die Korrektheit dieser Aussage auf Nachfrage noch einmal: Grundsätzlich gibt es nach wie vor in der Innenstadt Schweinfurts ein Verbot Tauben zu füttern.

Ausnahme vom Fütterungsverbot ausschließlich für die Taubenhilfe

Gleichwohl hat die Stadtverwaltung für die Stadttaubenhilfe eine Ausnahme genehmigt und dieser das Füttern erlaubt. Das entspricht auch dem Beschluss in der Stadtratssitzung, der allerdings mit 8:7 Stimmen sehr knapp war. Ursprünglich wollte die Stadt eine Fütterungsmöglichkeit während der Corona-Pandemie am Main an der Bootsschleuse einrichten, wie es Adi Schön (Freie Wähler) vorgeschlagen hatte.

Das ging aber nicht, da dort im Moment ein Fütterungsverbot wegen der Vogelgrippe gilt. Deshalb kontaktierte das Ordnungsamt die Stadttaubenhilfe und man einigte sich darauf, dass am Martin-Luther-Platz gefüttert werden darf. Die offizielle Genehmigung dafür ist mittlerweile ausgestellt, so Jan von Lackum. Außerdem tragen die HelferInnen der Stadttaubenhilfe entsprechende Westen.

Die Vorfälle, wenn sie sich so zugetragen haben wie geschildert, verurteilt der Umweltreferent. Er betont, dass es diese Ausnahme nur für die Stadttaubenhilfe gebe. Von Lackum verweist aber auch darauf, dass er im Stadtrat davor gewarnt habe, das Fütterungsverbot zu lockern, denn es sei den Bürgern schwer zu vermitteln, warum man am Marktplatz oder in der Spitalstraße Strafe zahlen muss fürs Füttern, am Martin-Luther-Platz aber ein bestimmter Personenkreis nicht.

Suche nach Standort für Taubenschlag in der Innenstadt

Von Lackum hat zugesagt, in den nächsten Monaten einen Standort für einen betreuten Taubenschlag zu finden und mit der Stadttaubenhilfe ein Konzept zu erarbeiten, wie der Schlag betreut wird. Ulrike Schneider (Zukunft./ödp) – auf deren Initiative fünf Parteien den Antrag eingereicht hatten, einen Taubenschlag zu bauen, das Fütterungsverbot während der Pandemie zu lockern und die Taubenhilfe finanziell zu unterstützen – betont, dass aus ihrer Sicht der Taubenschlag nach dem so genannten Augsburger Modell die beste Lösung sei.

Derartige betreute Schläge gibt es in Gerolzhofen und Würzburg. "Alleine in Würzburg konnten im vergangenen Jahr 2000 Taubeneier durch Gipseier getauscht werden", so Schneider. Daran könne man sehen, dass ein Taubenschlag ein guter Weg sei, die Population zu kontrollieren. Jan von Lackum bittet in dem Zusammenhang auch Bürger mit Liegenschaften in der Stadt, sich zu melden, wenn sie bereit wären einen Taubenschlag auf ihrem Dach bauen zu lassen. Die städtischen Gebäude in der Innenstadt wie das Rathaus werde man ebenfalls noch mal auf Tauglichkeit prüfen.

© Oliver Schikora
Quelle: Volkszeitung Schweinfurt

 

Samstag, 27. Februar 2021



Sterben Schweinfurts Tauben? Warum die Stadt Füttern verbietet

Der Streit um die Frage, ob die Stadttauben in einem Corona-Winter mehr hungern als sonst geht weiter. Wieso das Füttern verboten bleibt und was das Veterinäramt sagt

SCHWEINFURT • Ein Freund der Stadttaube zu sein, kann in Schweinfurt ein teures Vergnügen sein: 159 Euro Strafe inklusive Gebühren bekamen zwei Bürger vom Ordnungsamt aufgebrummt, weil sie gegen das Fütterungsverbot der Tauben verstießen und diesen Körner gaben.

Aus Sicht dieser Bürger und der Stadttaubenhilfe "White Angels" leiden die Tauben – wegen des Winters gibt es ohnehin weniger Futter auf den Straßen und Plätzen, außerdem kommt der Corona-Lockdown erschwerend hinzu. Kein Weihnachtsmarkt, keine offenen Geschäfte, keine offenen Restaurants – nicht mal mehr Krümel gibt es auf der Straße. Dafür jede Menge Streit, auch im Stadtrat.

Kritik an harter Haltung des Schweinfurter Rathauses

Denn der ist in der Frage, ob den Tauben nun dringend zu helfen ist oder nicht, gespalten. Initiiert von Ulrike Schneider (Zukunft./ödp) reichten sie sowie SPD, Linke, Freie Wähler und Grüne einen Eilantrag ein, durch den eine Lockerung des Fütterungsverbotes während der Pandemie, ein Zuschuss für die Taubenhilfe und der Bau eines Taubenschlages gefordert werden.

Weil sie sich über die harte Haltung der Verwaltung und des Oberbürgermeisters, aber auch der anderen Fraktionen bei dem Thema ärgerten, sammelten Ralf Hofmann, Stefan Labus, Ulrike Schneider und Frank Firsching nun Geld, damit der Verein "White Angels" den Betroffenen beim Bezahlen der Ordnungswidrigkeit unter die Arme greifen kann.

Im Stadtrat gab es einen Streit zwischen Ulrike Schneider, die sich leidenschaftlich für den schnellen Bau eines Taubenschlags und Hilfe für die Tauben, aber auch Anerkennung der Arbeit der Stadttaubenhilfe, einsetzte, und Umweltreferent Jan von Lackum. Dabei wollten Verwaltung und die Kritiker ihres Kurses im Grunde die gleiche Lösung, nur unterschiedlich schnell.

Warum ein Taubenschlag die Probleme lösen würde

Besonders Jan von Lackum versucht schon lange, einen Standort für einen betreuten Taubenschlag in der Innenstadt zu finden. Der wäre die Lösung, denn dort würden wie in anderen Städten (Würzburg oder Gerolzhofen) die Tauben leben, gefüttert und die Eier durch Gipseier getauscht, damit die Population kontrolliert werden kann.

Ulrike Schneider hatte im Herbst 2019 und im April 2020 zu Beginn des ersten Lockdowns sich bereits für die Stadttauben eingesetzt, war aber jeweils mit ihren Anträgen gescheitert. Von Lackum schlug im Herbst 2019 einen Taubenschlag im Dach des Friederike-Schäfer-Heimes vor, das zentral in der Innenstadt liegt. Das Gesundheitsamt hatte damals ausdrücklich betont, dass es keine Bedenken habe, wenn der Schlag betreut werde. Die Stadttaubenhilfe hat dafür, auch jetzt wieder, ausdrücklich ihre Hilfe angeboten.

Allerdings hatte von Lackum 2019 die Rechnung ohne den aufziehenden Kommunalwahlkampf gemacht. CSU-Fraktionschef Stefan Funk erkannte in der damaligen Sitzung sofort, dass sich die Christsozialen in einem hitziger werdenden Wahlkampf mit einem Taubenschlag im Dach des Friederike-Schäfer-Heimes beim Wähler keinen Gefallen tun, und lehnte das ab. Der Neubau des Heimes am Martin-Luther-Platz ist mittlerweile komplett zu den Akten gelegt, war aber ein hitzig diskutiertes Thema im Wahlkampf.

Den Tauben half das wenig, denn in der Standortfrage für einen Schlag ging es nicht weiter, was aber auch daran lag, dass das Ordnungsamt wegen der Corona-Pandemie andere Schwerpunkte setzte. Das Ergebnis der Beratungen am Dienstag war nun verwirrend: Das Fütterungsverbot bleibt, auch weil Stadträte, die erst für die Abschaffung waren, dagegen stimmten.

Einen Zuschuss bekommt die Taubenhilfe auch nicht, muss weiter rund 500 Euro pro Monat selbst finanzieren, um Futter zu kaufen und die geschwächten und teilweise verletzten Tauben, die man im Moment nahezu täglich findet, zum Tierarzt zu bringen. Eine größere Mehrheit fand sich aber, dass die Verwaltung mindestens einen Standort in der Innenstadt für einen Taubenschlag findet. Ein Vorschlag dafür erfolgt bis zur Haushaltsberatung im November, damit der Stadtrat das in den Haushalt 2022 einbauen kann. Knapp genehmigt wurde die Idee von Adi Schön (Freie Wähler), kurzfristig am Main in der Nähe der Bootsschleuse eine Fütterungsmöglichkeit für die Tauben zu schaffen.

Allerdings gestaltet sich das laut Informationen dieser Redaktion schwieriger als angenommen: Die Vogelgrippe macht einen Strich durch die Rechnung, es braucht wohl einen anderen Standort, der im Moment aber offen ist.

"Wir bringen keine Tauben um und wir verstoßen mit dem Fütterungsverbot
nicht gegen das Tierschutzgesetz."

Umweltreferent Jan von Lackum

Der Kern des Streits dreht sich um die Frage, ob Tauben verwilderte Haustiere sind oder Wildtiere, die man nicht füttern muss. Jan von Lackum verwahrte sich gegen Vorwürfe, man habe kein Herz für die Tiere: "Wir bringen keine Tauben um und wir verstoßen mit dem Fütterungsverbot nicht gegen das Tierschutzgesetz."

Es sei "falsch, dass der Lockdown Taubenleben gefährdet" und "falsch, dass Tauben sich nicht selbständig Futter suchen." Der Umweltreferent warnte eindringlich davor, das Fütterungsverbot aufzuheben. Von Lackum und Oberbürgermeister Sebastian Remelé (CSU) verwiesen auf ein Gutachten des staatlichen Veterinäramtes am Landratsamt.

Veterinäramt: "Stadttauben sind Wildtiere"

Dort wird ein Zusammenhang zwischen dem Lockdown und hungernden Tauben verneint. Ein Taubenschlag sei unter Einbindung engagierter Tierschützer der richtige Weg. Außerdem: "Stadttauben sind Wildtiere, die sich an den Lebensraum Stadt angepasst haben." Wenn sie nicht gefüttert würden, flögen sie aufs Land und ernährten sich auf den Feldern.

Ulrike Schneider bestritt zum Unbill des OB diese Ausführungen des Veterinäramtes, verwies auf zahlreiche anderslautende Studien, die eine Notwendigkeit des Fütterns sehen. Außerdem seien die Tauben verwilderte Haustiere, was rechtlich relevant ist: Wenn ein Gericht das tatsächlich feststellte, müsste die Stadt tierschutzrechtlich anders handeln.

© Oliver Schikora
Quelle: Volkszeitung Schweinfurt

 

Donnerstag, 07. Januar 2021



Willy Sachs und der Nationalsozialismus: Was sagen die Historiker?

Willy Sachs soll posthum die Ehrenbürgerwürde entzogen und das Stadion umbenannt werden. Welche Erkenntnisse gibt es über das Leben des Industriellen? Ein Faktencheck

SCHWEINFURT • Im November vergangenen Jahres sorgte ein fraktionsübergreifender Antrag im Stadtrat für Furore – der 1958 gestorbene Großindustrielle Willy Sachs soll aus der Liste der Ehrenbürger gestrichen werden. Die Forderung fand viele Unterstützer, aber auch eine Menge Kritiker, die sich insbesondere in Leserbriefen kritisch zu dem Vorhaben äußerten.

Doch was sind die Fakten, die bisher zum Leben von Willy Sachs vorliegen? Was steht in den anerkannten Standardwerken zur Familie Sachs von Prof. Dr. Wilfried Rott ("Sachs – Unternehmer, Playboys, Millionäre") und Prof. Dr. Andreas Dornheim ("Sachs – Mobilität und Motorisierung. Eine Unternehmensgeschichte")?

Was fordern die Stadträte Julia Stürmer-Hawlitschek (SPD) und Adi Schön (FW)?

Sie stellten den Antrag, Willy Sachs posthum die Ehrenbürgerwürde zu entziehen, die er 1936 bekam. Außerdem soll das von ihm 1936 der Stadt gestiftete Willy-Sachs-Stadion, in dem der Fußball-Regionalligist FC 05 Schweinfurt seine Heimspiele austrägt, in "Sachs-Stadion" umbenannt werden, um das Wirken der Familie zu würdigen. Am Stadion soll eine Tafel angebracht werden, auf der die Hintergründe erklärt werden.

Die Antragsteller sehen Willy Sachs wegen seiner Verstrickungen mit dem nationalsozialistischen Terrorregime nicht als Vorbild an, das Ehrenbürger sein sollte. "Es geht darum zu bewerten, ob jemand, der NSDAP- und SS-Mitglied, der Protegé von Nazi-Größen und Profiteur des Nazi-Regimes war, der seine Rolle nie hinterfragt hat, in einer Stadt, in einem Land, in einer Gesellschaft, die nach etlichen Jahrzehnten endlich gelernt hat, offensiv und ehrlich und umfassend ihre Vergangenheit aufzuarbeiten und Lehren für eine stabile, freie, offene und tolerante Demokratie daraus zu ziehen, ein Vorbild sein kann und zudem ein Denkmal im Schweinfurter Stadtbild haben kann. Er kann es nicht. Willy Sachs darf kein Ehrenbürger sein", heißt es unter anderem in einem Schreiben Stürmer-Hawlitscheks und Schöns an Oberbürgermeister Sebastian Remelé (CSU).

Wer hat den fraktionsübergreifenden Antrag unterschrieben?

Klaus Rehberger für die CSU-Fraktion, Reginhard von Hirschhausen für die Grünen, Julia Stürmer-Hawlitschek und Ralf Hofmann für die SPD, Adi Schön für die Freien Wähler, Frank Firsching für die Linken, Georg Wiederer für die FDP, Christiane Michal-Zaiser für proschweinfurt und Ulrike Schneider für Zukunft./ödp. Vorgestellt wurde der Antrag bei einem gemeinsamen Pressetermin aller beteiligten Fraktionen.

Wer ist im Stadtrat dagegen und warum?

Die Fraktion der AfD ist explizit dagegen. Fraktionsvorsitzender Richard Graupner erklärte im November: "Ausgerechnet einen der verdientesten Söhne unserer Stadt soll der Bannstrahl der historischen Korrektheit treffen. Willy Sachs war ein bei den Schweinfurtern, besonders in der Arbeiterschicht, äußerst beliebter Unternehmer."

Wie ist die Position des Oberbürgermeisters und wann wird entschieden?

Ausführlich öffentlich geäußert hat sich Sebastian Remelé bisher nicht. In der Dezember-Sitzung des Stadtrates erklärte er, er werde Stadtarchivar Uwe Müller mit einem Gutachten beauftragen, das im Januar oder Februar vorgelegt werde, um dann über den Antrag zu entscheiden. Im von der Stadt herausgegebenen Bürgermagazin "Schweinfurter" erklärt der OB, er wünsche eine Versachlichung. Willy Sachs sei eine ambivalente Persönlichkeit gewesen: "Für mich kein Täter, aber ein Mitläufer; kein überzeugter Nationalsozialist, aber wie damals viele Mitglied in der NSDAP. Mit charakterlichen Schwächen, aber auch ein generöser Patriarch." Die Diskussion solle offen geführt werden.

Wieso wurde Willy Sachs 1936 zum Ehrenbürger der Stadt ernannt?

Er bekam die Ehrenbürgerwürde an seinem 40. Geburtstag, am 23. Juli 1936, für die Stiftung des Willy-Sachs-Stadions, das er bauen ließ und der Stadt schenkte.

Wie ist der Beschluss des Stadtrates 1946 zu werten, Willy Sachs nicht die Ehrenbürgerwürde zu entziehen?

In der Sitzung des Stadtrates am 2. Juli 1946, ein Jahr nach Ende des Zweiten Weltkriegs, wurden Ehrenbürger wie Adolf Hitler und andere Nazigrößen aus der Liste gestrichen. Nicht aber Willy Sachs, bei dem der im Mai 1946 gewählte Oberbürgermeister Ignaz Schön erklärte, die Verleihung sei aufgrund der Stadion-Stiftung erfolgt. Befürworter der Ehrenbürgerwürde für Willy Sachs werten diese Sitzung als nachträgliche demokratische Legitimierung.

Wie schätzt der renommierte Historiker Andreas Dornheim Willy Sachs ein?

Ein eindeutiges Urteil fällt Dornheim, dessen Buch "Sachs – Mobilität und Motorisierung. Eine Unternehmensgeschichte" von 2015 als Standardwerk gilt, nicht. Seine 79 Seiten zu Willy Sachs bringen aber Klarheit über Sachs' Verhältnis zum Nationalsozialismus und lassen gut dokumentiert erkennen, was für ein Mensch Willy Sachs war.

Warum trat Willy Sachs der NSDAP und der SS bei und wie ist das einzuschätzen?

Andreas Dornheim zitiert aus einem Brief vom 24. April 1933, den Willy Sachs an Hauptmann Hermann Köhl, einen Piloten aus dem Ersten Weltkrieg, schrieb. In diesem begründet Sachs enthusiastisch, warum er der NSDAP beitrat: aus "rein ehrlicher Überzeugung." Er sei der Bewegung Hitlers seit längerem zugetan, wolle aus dem roten ein braunes Schweinfurt machen. Er beschreibt seine Familie aufgrund ihrer Stiftungen als wahre Sozialisten und Wohltäter. Im Original des Briefes steht: "... mein Beitritt hat mit Gesinnungslumperei nichts zu tun, sondern ist aus rein ehrlicher Überzeugung erfolgt, denn diese Leute haben uns den Bolschewismus kurz vor Torschluss abgehalten und wollen auch den Hass zwischen Arbeitgeber und Arbeiter ausstreichen, wie der Führer sagt, damit wieder ein Deutschland ist und sich alles die Hände reicht." Möglicherweise war Sachs schon 1932 Mitglied der SA, kam 1933 auf Bitten von Heinrich Himmler zur SS.

War Willy Sachs antisemitisch? Worum geht es im Fall Max Goldschmidt?

Laut Andreas Dornheim finden sich in Briefen von Willy Sachs "keine hasserfüllten antisemitischen Äußerungen." Rassistische Äußerungen gebe es, "aber eher in der Form, wie sie wahrscheinlich von vielen Deutschen in dieser Zeit vertreten wurden." Das Unternehmen Fichtel & Sachs war in den 1920er-Jahren eng mit jüdischen Geschäftsleuten verbunden. Dornheim stellt aber auch fest, dass Sachs auf Appelle jüdischer Freunde oder Geschäftspartner nach 1932 nicht reagierte. Einer Vermittlung im Streit um ein Kupplungspatent des jüdischen Ingenieurs Max Goldschmidt verweigerte sich Sachs im Juli 1932. Goldschmidt wurde das Patent weit unter Wert abgekauft. Nach dem Krieg wurde Willy Sachs dazu verurteilt, dem nach London emigrierten Ingenieur eine Million D-Mark Entschädigung zu zahlen.

Warum wurde Willy Sachs nach dem Krieg von den US-Amerikanern als Mitläufer eingestuft?

Im Mai 1945 wurde Willy Sachs vom US-Militär in Oberaudorf verhaftet, bis Februar 1947 war er in Haft. Die Spruchkammer stufte ihn im Entnazifizierungsverfahren als "Mitläufer" ein, was von Historikern kritisch gesehen wird. Buchautor Rott spricht von "Weißwäsche". Es sei einer der "dunkelsten Momenten dieser Entnazifizierung" gewesen, "die sonst so beschönigend und verharmlosend ablief wie die meisten vergleichbaren Fälle." Jüdische Bekannte seien instrumentalisiert, die Arisierung des Geschäftspartners Max Goldschmidt übergangen worden. Nachdem Willy Sachs aus der Haft entlassen worden war, zog er sich mit 51 aus der aktiven Geschäftsführung zurück, wurde Vorsitzender des Aufsichtsrates.

Wie sind die hohen Spenden an die Nazis und die SS zu erklären?

Willy Sachs wollte wie sein Vater als Wohltäter auftreten, was auch seinen teils guten Ruf in der Bevölkerung bis heute erklärt. Er spendete erhebliche Summen an die NSDAP, die SS und auch an Nazi-Größen persönlich – insgesamt fast fünf Millionen Reichsmark. Nach dem Krieg behauptete Sachs' Anwalt Rudolf Diessl, die Spenden seien alle unter Zwang erfolgt. Andreas Dornheim hält das für falsch: "Gerade die hohen Spenden an die NSDAP und die SS sowie die Darlehen an SS-Führer waren kein Automatismus, sondern eine Folge der Tatsache, dass Willy Sachs freiwillig in die SS eingetreten war und sich zum SS-Führer hatte ernennen lassen."

Wie war das Frauenbild von Willy Sachs? Wie verhielt er sich wirklich?

Vor allem die Scheidung von Elinor von Opel 1935 und der Sorgerechtsstreit um die Kinder Ernst Wilhelm und Gunther wirft ein entscheidendes Licht auf den Charakter von Willy Sachs. Andreas Dornheim zitiert aus Gerichtsakten der Scheidung und aus Gesprächen mit Menschen, die Sachs persönlich erlebt hatten. Sachs' Ehe war zerrüttet, was vor allem daran lag, dass er fremdging. Es gibt eine eidesstattliche Erklärung von 1937, in der der Hauptbelastungszeuge Otto Windmiller schreibt: "Bei der Arbeiterschaft in Schweinfurt ist Herr Sachs unter dem Spitznamen "Willi der Narr" allgemein bekannt. Diesen Namen führt er wegen seiner tollen Streiche, insbesondere wegen seiner Weibergeschichten, die er sich dort zu leisten pflegt." Es sei ein offenes Geheimnis, dass Willy Sachs mit zahlreichen Frauen intime Beziehungen pflege, "durch namhafte Geschenke und Geldzuwendungen weiß er sich die Frauenspersonen geschlechtlich gefügig zu machen."

Windmiller erklärt weiter: "Es ist wiederholt vorgekommen, dass Sachs Mädchen, die seinen geschlechtlichen Genüssen nicht gefügig waren, vergewaltigt und mißhandelt hat." Er habe auf seinem Gut Rechenau Zechgelage und Orgien mit Frauen und Mädchen abgehalten. Im Scheidungsprozess wurden alle Vorwürfe von Sachs zurückgewiesen. Andreas Dornheim zitiert in seinem Buch auch ein Gespräch mit einer Bekannten von Willy Sachs über die 1950er-Jahre. Sie beschrieb den Industriellen als "typischen Grapscher", berichtete von Festen im Ruderclub, bei denen ein angetrunkener Willy Sachs unter den Tischen lag und versucht haben soll, den Mädchen mit einem Spiegel unter die Röcke zu schauen.

Der moralische Aspekt zum Handeln von Willy Sachs ist das eine Thema, es ergibt sich nach Dornheims Recherchen aber noch ein anderer in Bezug auf die Spenden, die Sachs an die SS nach 1937 überwies: "Aus juristischer Sicht ist festzuhalten, dass es sich teilweise um strafrechtlich relevante Delikte handelte. Eine versuchte oder vollendete Vergewaltigung, Notzucht, wie es früher hieß, war nach dem Reichsstrafgesetzbuch ein Straftatbestand. An dieser Stelle bekommen die Vorgänge eine politische Bedeutung: Willy Sachs war ab 1936/37 erpressbar. Die SS war nicht zimperlich, und es könnte sein, dass Willy Sachs von der SS zu hohen Spenden genötigt wurde."

Warum hat Willy Sachs das Stadion gebaut und der Stadt gestiftet?

Fußball galt den Nazis als verbindendes Element zwischen Soldaten und Bevölkerung. Willy Sachs war dem FC 05 zugetan, dessen sportliche Erfolge ließen den Bau eines Stadions sinnvoll erscheinen. Architekt war Paul Bonatz. Bei der Eröffnung am 23. Juli 1936, bei der die NS-Größen Heinrich Himmler und Hermann Göring zu Gast waren, erklärte Willy Sachs: "Diese Kampfstätte des Sports diene der Ertüchtigung einer gesunden deutschen Jugend in einem starken deutschen Vaterland."

Sport während der NS-Zeit hatte nicht die Bedeutung wie heute als Freizeit-Ausgleich. Die Funktion des Sports lag, wie Andreas Dornheim schreibt, "auch, wenn nicht gar vor allem, in der Ertüchtigung und Wehrhaftmachung des deutschen Volkes."

Was hat der Stadionbau gekostet und wie viel Geld hat die Stadt in den vergangenen Jahrzehnten investiert?

Das Stadion und die umliegenden Anlagen kosteten 1,15 Millionen Reichsmark. In Euro umgerechnet entspricht das ungefähr 282 000 Euro. Die Stadt bekam das Stadion zwar geschenkt, muss es aber unterhalten. Diese Summe beträgt nach 84 Jahren mehrere Millionen Euro. In den letzten Jahren wurden jährlich gut 500 000 Euro in den Unterhalt des Areals gesteckt. Außerdem baute die Stadt das Stadion bei Aufstiegen des FC 05 um, wie zuletzt 2001 in die Zweite Bundesliga, was damals 1,5 Millionen D-Mark kostete. Der FC 05 hat das Vorrecht, im Stadion zu spielen, zahlt aber wie alle anderen Vereine eine Nutzungsgebühr. Grundsätzlich steht das Stadion jedem Schweinfurter Verein zur Nutzung offen.

Wie steht der FC 05 Schweinfurt zum Vorschlag der Umbenennung des Stadions?

FC05-Vorsitzender Markus Wolf Wolf begrüßt die Umbenennung in Sachs-Stadion. Der Vorstand des Vereins habe sich einstimmig dafür ausgesprochen, schließlich sei der FC 05 Mitglied des Bündnisses "Schweinfurt ist bunt" sowie der Initiative "Respekt – kein Platz für Rassismus. "Wir stehen für einen respektvollen Umgang mit Sportlerinnen und Sportlern, egal, welcher Herkunft", so Wolf. Das sei nicht vereinbar mit der veröffentlichten Vita von Willy Sachs.

© Oliver Schikora
Quelle: Volkszeitung Schweinfurt

 

 

 

 

 

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